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Case Study
Ein mobiles Vergleichstool von Wandfarben für die OBI-App, das die Lücke zwischen Online-Recherche und Kauf im Markt schließt.
Problem
Beim Kauf von Wandfarbe fehlt Orientierung in einem markenübergreifend kaum vergleichbaren Sortiment — online wie im Markt.
Wandfarbe folgt klassisch dem ROPO-Effekt: online recherchiert, im Markt gekauft. Diesen Channel-Wechsel wollte ich am realen Beispiel der OBI-App erforschen.
29
Umfrageteilnehmer:innen
3
Zielgruppeninterviews
3
Marktbesuche vor Ort
01 — Das Problem
Wandfarbe ist eine emotional aufgeladene Entscheidung und Nutzer:innen können Produkte unterschiedlicher Marken weder digital noch im Markt direkt vergleichen.
„Online sieht es nie so aus wie in echt."
— Interview-Insight
„Die finale Entscheidung hat mich unter Druck gesetzt. Nicht wegen Zeitdruck. Sondern wegen Verantwortung der Entscheidung."
Die Entscheidung verschiebt sich in den Markt, wo die Recherche von vorn beginnt. Online und Markt ergänzen sich nicht, sie verdoppeln sich.
„Als ich im Markt war hat meine Suche von vorne begonnen."
— Interview-Insight
100%
der Befragten kauften Wandfarben im Markt. 24% davon wechselten mehrmals zwischen Online und Markt. Der Markt bleibt der finale Kaufort.
18/25
bewerten Wandfarbe als „sehr wichtig" für den eigenen Wohnraum: Die Entscheidung ist identitätsbezogen.
02 — Segmentierung
Unsichere Erstkäufer:innen von Wandfarbe
Persona
Lena Kessler, 29
Projektmanagerin · Zur Miete · Erstes größeres Streichprojekt
„In einer Mietwohnung kann nicht viel verändert werden, deswegen sehe ich Wandfarbe als eine Möglichkeit mich zu entfalten."
Pain Points & Frustrationen
Bedürfnisse & Ziele
How might me?
Wie können wir unserer Zielgruppe helfen, Wandfarben über Marken hinweg zu vergleichen und sich sicher zu entscheiden – online wie im Markt?
03 — Wendepunkt
× AR-/VR-Farbsimulation im Raum
Es geht nicht um digitale Raumsimulation, weil das Vertrauen in solche Darstellungen schlicht fehlt. Es geht darum, Orientierung in einem unübersichtlichen Sortiment zu schaffen: eine Entscheidungshilfe online wie offline, die den Weg in den Markt und zum Kauf leichter macht.
× Inspirations- und Beratungstool
Die Zielgruppe braucht keine zusätzlichen Optionen, sondern Orientierung in einem unübersichtlichen Sortiment. Was fehlt, ist nicht mehr Auswahl, sondern Vergleichbarkeit über Marken hinweg.
Impact
Statt Farben digital zu simulieren, schafft Farbcheck Vergleichbarkeit über Marken hinweg – und schließt damit die Lücke zwischen Online-Recherche und Kauf im Markt.
04 — Schlüsselentscheidungen
Entscheidung 01
Farbcheck zeigt nicht, wie eine Farbe wirken könnte, sondern was sie ist und wie andere sie erlebt haben. Herstellerangaben und kuratierte Kundenstimmen stehen gleichgewichtig nebeneinander, weil die Entscheidung aus beidem zusammen fällt.
„Der Vergleich von Farben unterschiedlicher Marken fällt mir schwer."
— Interview-Insight
Entscheidung 02
× Der Vergleich endete in einer Sackgasse.
„Ich würde hier gerne direkt in den Warenkorb gehen, statt zur Produktseite zu springen."
— Zitat aus Usability-Testing
Entscheidung 03
Ich habe den Vergleich auf zwei Produkte begrenzt, weil die kognitive Belastung überproportional steigt — genau das soll Farbcheck abbauen. Wer mehr Optionen prüfen will, tauscht ein Produkt aus – sequenziell statt parallel.
„Das ist praktisch – ich kann eine Farbe einfach ersetzen, statt den Vergleich komplett neu zu starten."
— Zitat aus Usability-Testing
05 — Der Prozess
Drei Einstiege — Farbkatalog, Produkt scannen, Merkliste — führen zur selben Kernfunktion: dem Produktvergleich. So kommen Nutzer:innen schnell ins Tun, egal ob zuhause oder vor dem Regal.
Das Designsystem basiert auf der visuellen Sprache von OBI, ist aber bewusst reduziert: weniger Farbflächen, klare Hierarchien, OBI-Orange nur als Akzent. So bleibt der Fokus dort, wo er hingehört — auf den Produktfarben.
06 — Die Lösung
Der Kernmoment
Der Moment kurz bevor jemand in den Markt geht oder direkt vor dem Regal steht und nicht mehr weiter weiß.
Der Mehrwert liegt nicht im Tool selbst, sondern in der Journey: Was vorher eine doppelte Recherche zwischen Online und Markt war, wird zu einem zusammenhängenden Entscheidungsprozess. Die Vorauswahl entsteht zuhause, am Regal oder in der eigenen Merkliste — der Marktbesuch wird nicht ersetzt, sondern erleichtert.
Nutzer:innen können erstmals in wenigen Klicks zwei Wandfarben markenübergreifend direkt nebeneinander vergleichen, mit technischen Daten, echten Kundenerfahrungen und Preis. Zuhause oder im Markt.
Prototyp ansehen →07 — So messe ich Erfolg
Primärer KPI · North Star
Anteil der Farbcheck-Nutzer:innen, die innerhalb von 14 Tagen nach Tool-Nutzung in der relevanten Produktkategorie kaufen – online oder im Markt. Zeigt, ob die Anbindung an den Kaufabschluss funktioniert – und ob der Vergleich am Ende zur Handlung motiviert, nicht nur zur Information.
Sekundärer KPI
Anteil der OBI-App-Nutzer:innen, die Farbcheck pro Session aktiv aufrufen – aufgeschlüsselt nach Einstiegspunkt (Online-Aufruf oder Markt-Aufruf). Zeigt, ob das Feature seine Zielgruppe im Kaufprozess tatsächlich erreicht.
Sekundärer KPI
„Wie nützlich war Farbcheck für deine Entscheidung?" als One-Click Feedback sichert ab, dass das Feature als Hilfestellung wahrgenommen wird. Das Feature ist nur dann erfolgreich, wenn es auch hilft.
08 — Learnings & Ausblick
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde
Hypothesen früher gegen Research prüfen. Ich startete mit der Annahme, das Problem läge in der digitalen Farbdarstellung. Der Research zeigte: Misstrauen in digitale Farben ist nicht zu lösen, sondern zu akzeptieren. Die eigentliche Lücke war Vergleichbarkeit.
Constraints früher als Designhilfe verstehen. Die Begrenzung auf zwei Produkte ist aus Mobile-Format und kognitiver Belastung entstanden. Mehr Optionen hätten genau das Problem (Overload) reproduziert, das ich lösen wollte.
Usability-Testing als Prioritäten-Verschieber einplanen. Vor dem Test war der Vergleich für mich das Endprodukt. Danach war klar: Er muss die Brücke zum Kaufabschluss sein. Ohne den Test wäre der Warenkorb-CTA nicht entstanden.
Was ich nicht bauen konnte — und warum
Echte Kundenrezensionen aus OBI-Datenbank – prototypisch mit kuratierten Quotes gelöst, produktiv wäre eine API-Anbindung nötig.
Desktop-Variante mit drei bis vier Produkten im Vergleich: konzeptionell skizziert, aber nicht ausdesignt.
Quantitative Wirkungsvalidierung: KPI-Framework wurde erarbeitet, aber ohne A/B-Test-Hypothese und prognostizierte Wirkung bleibt der Business Case ein Versprechen.