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Case Study

Farbcheck

Ein mobiles Vergleichstool von Wandfarben für die OBI-App, das die Lücke zwischen Online-Recherche und Kauf im Markt schließt.

Rolle

Product Designer (UX/UI)
End-to-End

Zeitraum

4 Monate

Tools

Figma · Miro · KI-Tools

Problem

Beim Kauf von Wandfarbe fehlt Orientierung in einem markenübergreifend kaum vergleichbaren Sortiment — online wie im Markt.

Warum ein OBI-Case?

Wandfarbe folgt klassisch dem ROPO-Effekt: online recherchiert, im Markt gekauft. Diesen Channel-Wechsel wollte ich am realen Beispiel der OBI-App erforschen.

29

Umfrage­teilnehmer:innen

3

Zielgruppen­interviews

3

Marktbesuche vor Ort


01 — Das Problem

Wandfarbe ist keine reine funktionale Entscheidung.

Wandfarbe ist eine emotional aufgeladene Entscheidung und Nutzer:innen können Produkte unterschiedlicher Marken weder digital noch im Markt direkt vergleichen.

„Online sieht es nie so aus wie in echt."
„Die finale Entscheidung hat mich unter Druck gesetzt. Nicht wegen Zeitdruck. Sondern wegen Verantwortung der Entscheidung."

— Interview-Insight

Die Entscheidung verschiebt sich in den Markt, wo die Recherche von vorn beginnt. Online und Markt ergänzen sich nicht, sie verdoppeln sich.

„Als ich im Markt war hat meine Suche von vorne begonnen."

— Interview-Insight

100%

der Befragten kauften Wandfarben im Markt. 24% davon wechselten mehrmals zwischen Online und Markt. Der Markt bleibt der finale Kaufort.

18/25

bewerten Wandfarbe als „sehr wichtig" für den eigenen Wohnraum: Die Entscheidung ist identitätsbezogen.

02 — Segmentierung

Zielgruppe: „Unsichere Erstkäufer:innen von Wandfarbe"

Unsichere Erstkäufer:innen von Wandfarbe

  • 25 bis 45 Jahre, leben meist zur Miete
  • Verstehen ihre Wohnung als persönlichen Ausdrucksraum
  • Können am Bauwerk wenig verändern — Farbe ist eines der wenigen sichtbaren Mittel
  • Jede Wahl steht unter Druck. Eine Fehlentscheidung bleibt buchstäblich an der Wand

Persona

Persona – Lena Kessler

Lena Kessler, 29

Projektmanagerin · Zur Miete · Erstes größeres Streichprojekt

„In einer Mietwohnung kann nicht viel verändert werden, deswegen sehe ich Wandfarbe als eine Möglichkeit mich zu entfalten."

Pain Points & Frustrationen

  • Online: Keine Möglichkeit, Produkte direkt zu vergleichen – endet in zu vielen offenen Tabs und Überforderung
  • Im Markt: Kein einheitliches Vergleichssystem über Marken hinweg
  • Unsicherheit, weil die Farbe lange bleibt

Bedürfnisse & Ziele

  • Fundierte Entscheidung, ohne Stunden zu recherchieren
  • Zwei konkrete Optionen direkt nebeneinander — Preis, Daten, Erfahrungen
  • Einfache Möglichkeit, die Vorauswahl zu teilen
  • Marktbesuch als Bestätigung, nicht als Neustart

How might me?

Wie können wir unserer Zielgruppe helfen, Wandfarben über Marken hinweg zu vergleichen und sich sicher zu entscheiden – online wie im Markt?

03 — Wendepunkt

Was Farbcheck nicht ist.

× AR-/VR-Farbsimulation im Raum

Es geht nicht um digitale Raumsimulation, weil das Vertrauen in solche Darstellungen schlicht fehlt. Es geht darum, Orientierung in einem unübersichtlichen Sortiment zu schaffen: eine Entscheidungshilfe online wie offline, die den Weg in den Markt und zum Kauf leichter macht.

× Inspirations- und Beratungstool

Die Zielgruppe braucht keine zusätzlichen Optionen, sondern Orientierung in einem unübersichtlichen Sortiment. Was fehlt, ist nicht mehr Auswahl, sondern Vergleichbarkeit über Marken hinweg.

Impact

Statt Farben digital zu simulieren, schafft Farbcheck Vergleichbarkeit über Marken hinweg – und schließt damit die Lücke zwischen Online-Recherche und Kauf im Markt.

04 — Schlüsselentscheidungen

Drei Entscheidungen, die das Produkt geformt haben.

Hard & Soft-Facts Vergleich

Entscheidung 01

Hard- & Soft-Facts im Vergleich statt Farbsimulation

Farbcheck zeigt nicht, wie eine Farbe wirken könnte, sondern was sie ist und wie andere sie erlebt haben. Herstellerangaben und kuratierte Kundenstimmen stehen gleichgewichtig nebeneinander, weil die Entscheidung aus beidem zusammen fällt.

„Der Vergleich von Farben unterschiedlicher Marken fällt mir schwer."

— Interview-Insight

Entscheidung 02

Anbindung an Kaufabschluss nach Usability-Test

Vorher

× Der Vergleich endete in einer Sackgasse.

„Ich würde hier gerne direkt in den Warenkorb gehen, statt zur Produktseite zu springen."

— Zitat aus Usability-Testing
Nachher
  • Drei-Klicks-Pfad von Einstieg bis Warenkorb.
  • CTA Warenkorb integriert.
  • Preis-Hierarchie geschärft.
Vorher
Nachher
Vergleich auf zwei Produkte

Entscheidung 03

Vergleich auf zwei Produkte beschränkt

Ich habe den Vergleich auf zwei Produkte begrenzt, weil die kognitive Belastung überproportional steigt — genau das soll Farbcheck abbauen. Wer mehr Optionen prüfen will, tauscht ein Produkt aus – sequenziell statt parallel.

„Das ist praktisch – ich kann eine Farbe einfach ersetzen, statt den Vergleich komplett neu zu starten."

— Zitat aus Usability-Testing

05 — Der Prozess

Drei Wege, ein Ziel – Architektur

Drei Wege, ein Ziel.

Drei Einstiege — Farbkatalog, Produkt scannen, Merkliste — führen zur selben Kernfunktion: dem Produktvergleich. So kommen Nutzer:innen schnell ins Tun, egal ob zuhause oder vor dem Regal.

Navigationsstruktur

Navigationsstruktur

  • Globale Tab Bar der OBI-App als konstanter Anker
  • Header für die lokale Navigation: zurück und schließen
  • Thumb-Zone für kontextuelle Primäraktionen — situativ statt permanent

Das Designsystem

Das Designsystem basiert auf der visuellen Sprache von OBI, ist aber bewusst reduziert: weniger Farbflächen, klare Hierarchien, OBI-Orange nur als Akzent. So bleibt der Fokus dort, wo er hingehört — auf den Produktfarben.

Designsystem

06 — Die Lösung

Farbcheck macht den Weg in den Markt leichter.

Der Kernmoment

Der Moment kurz bevor jemand in den Markt geht oder direkt vor dem Regal steht und nicht mehr weiter weiß.

Drei Einstiege. Zwei Farben.
Eine Entscheidung.

Drei Einstiege – Farbcheck App-Screens

Customer Journey ohne Brüche: vom Sofa bis ins Regal

Der Mehrwert liegt nicht im Tool selbst, sondern in der Journey: Was vorher eine doppelte Recherche zwischen Online und Markt war, wird zu einem zusammenhängenden Entscheidungsprozess. Die Vorauswahl entsteht zuhause, am Regal oder in der eigenen Merkliste — der Marktbesuch wird nicht ersetzt, sondern erleichtert.

Online Online + Markt Markt
Für jeden Use Case – Online und Markt Journey
Farbcheck Prototyp

Nutzer:innen können erstmals in wenigen Klicks zwei Wandfarben markenübergreifend direkt nebeneinander vergleichen, mit technischen Daten, echten Kundenerfahrungen und Preis. Zuhause oder im Markt.

Prototyp ansehen →

07 — So messe ich Erfolg

Eine North Star, zwei sekundäre KPIs.

Primärer KPI · North Star

Conversion vom Vergleich zum Warenkorb

Anteil der Farbcheck-Nutzer:innen, die innerhalb von 14 Tagen nach Tool-Nutzung in der relevanten Produktkategorie kaufen – online oder im Markt. Zeigt, ob die Anbindung an den Kaufabschluss funktioniert – und ob der Vergleich am Ende zur Handlung motiviert, nicht nur zur Information.

Sekundärer KPI

Feature Adoption

Anteil der OBI-App-Nutzer:innen, die Farbcheck pro Session aktiv aufrufen – aufgeschlüsselt nach Einstiegspunkt (Online-Aufruf oder Markt-Aufruf). Zeigt, ob das Feature seine Zielgruppe im Kaufprozess tatsächlich erreicht.

Sekundärer KPI

Usefulness

„Wie nützlich war Farbcheck für deine Entscheidung?" als One-Click Feedback sichert ab, dass das Feature als Hilfestellung wahrgenommen wird. Das Feature ist nur dann erfolgreich, wenn es auch hilft.

08 — Learnings & Ausblick

Lessons learned und was offen bleibt.

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde

1

Hypothesen früher gegen Research prüfen. Ich startete mit der Annahme, das Problem läge in der digitalen Farbdarstellung. Der Research zeigte: Misstrauen in digitale Farben ist nicht zu lösen, sondern zu akzeptieren. Die eigentliche Lücke war Vergleichbarkeit.

2

Constraints früher als Designhilfe verstehen. Die Begrenzung auf zwei Produkte ist aus Mobile-Format und kognitiver Belastung entstanden. Mehr Optionen hätten genau das Problem (Overload) reproduziert, das ich lösen wollte.

3

Usability-Testing als Prioritäten-Verschieber einplanen. Vor dem Test war der Vergleich für mich das Endprodukt. Danach war klar: Er muss die Brücke zum Kaufabschluss sein. Ohne den Test wäre der Warenkorb-CTA nicht entstanden.

Was ich nicht bauen konnte — und warum

Scope

Echte Kundenrezensionen aus OBI-Datenbank – prototypisch mit kuratierten Quotes gelöst, produktiv wäre eine API-Anbindung nötig.

Zeit

Desktop-Variante mit drei bis vier Produkten im Vergleich: konzeptionell skizziert, aber nicht ausdesignt.

Scope

Quantitative Wirkungsvalidierung: KPI-Framework wurde erarbeitet, aber ohne A/B-Test-Hypothese und prognostizierte Wirkung bleibt der Business Case ein Versprechen.