Masterarbeit: Case Study bei einer Kölner Digitalagentur
Future Skills in der Zusammenarbeit mit KI trainieren, statt das Gefühl haben den Anschluss zu verlieren.
UPskill-Elemente: Digitales Interface, Whiteboard-Brett und Rollenkarten
01 — Kontext
„Der eigentliche Wert kreativer Arbeit liegt nicht mehr im 'Klicken' oder 'Prompten', sondern im menschlichen Geschmack."
— KI-Expertin und KI-Schulung Beauftragte„Was ist unsere gesellschaftliche Verantwortung? Wir müssen kritisch hinterfragen, was man verantworten kann."
— Geschäftsführer Digitalagentur02 — Drei zentrale Hypothesen
These 01 · Der Kompetenzwandel
KI übernimmt zunehmend kognitive Routineaufgaben.
Was an Relevanz gewinnt, sind Fähigkeiten, die sich nicht automatisieren lassen: Urteilsvermögen, Kontextsensibilität, ethische Einschätzung.
These 02 · Die Lücke im Training
Bestehende KI-Schulungen optimieren Effizienz und Tool-Kompetenz.
Die Future Skills, die für eine verantwortungsvolle Zusammenarbeit mit KI entscheidend sind, trainiert niemand.
These 03 · Die Verantwortung
Designer:innen übernehmen gesellschaftliche Mitverantwortung.
Auf diese Rolle werden sie kaum vorbereitet.
03 — Forschung im Unternehmen
67%
wollen bei KI-Themen nicht den Anschluss verlieren.
2/3
sagen: der kritische Austausch über KI kommt zu kurz.
50%
blicken eher pessimistisch auf die Auswirkungen von KI.
„Die Organisation muss weniger selbst als Wissensvermittler auftreten, sondern vielmehr als Enabler, der Strukturen und Räume schafft."
— KI-Expertin
„Wie verlerne ich nicht zu denken? Sonst werden wir Fachidioten, die nur noch prompten."
— Geschäftsführer
04 — Zielgruppe
Hohe KI-Affinität
KI ist schon tief im Arbeitsalltag verankert.
Diese Gruppe nutzt Upskill, um Erfahrungswerte zu teilen, Perspektiven sichtbar zu machen und Future Skills aktiv anzuwenden.
Wenig KI-Erfahrung
Noch am Anfang – aber neugierig.
Das Format macht bewusst, welche Fragen im Umgang mit KI relevant sind – ohne Vorwissen vorauszusetzen. Gleichzeitig wird die Neugier für die Technologie gefördert.
06 — Drei Entscheidungen
Entscheidung 01
Upskill basiert auf dem Prinzip, dass Kompetenzen durch aktives Anwenden entstehen. Upskill macht sie im Tun erfahrbar.
Durch das Rollenspiel lernen Teilnehmende, verschiedene „Brillen" aufzusetzen und andere Sichtweisen zu vertreten.
Entscheidung 02
Sie generiert Themenkarten, weist Rollen zu, stellt Fragen entlang der Spieldramaturgie und passt sich in Echtzeit an das Feedback der Spielenden an. Das macht jede Session einmalig – kein statischer Fragenkatalog könnte auf ein spezifisches Thema und eine bestimmte Gruppe eingehen.
Die Kontrolle bleibt dabei beim Menschen: Jede KI-Ausgabe ist editierbar, jede Rolle kann getauscht werden. KI liefert den Impuls – der Austausch entsteht im Raum.
Entscheidung 03
Das Spielerlebnis ist bewusst hybrid: Das Interface steuert Ablauf, Fragen und KI-Interaktion. Der eigentliche Lernmoment entsteht jedoch im physischen Raum – durch echten Austausch in kleinen Gruppen von 2 bis 4 Personen. Physische Rollenkarten und ein Whiteboard-Brett geben dem Gespräch eine greifbare Struktur, auf der sich Ideen ablegen und sichtbar machen lassen.
Digital liefert die Impulse, analog verankert sie. Genau diese Kombination schafft den Raum für persönlichen Austausch und gemeinsames Lernen.
05 — Wendepunkt
× Kein Tool-Training
Bestehende Formate trainieren Effizienz. Upskill trainiert das Gegenteil: Kreativität, Empathie, Urteilsvermögen – Fähigkeiten, die sich nicht automatisieren lassen.
× Kein Einzelformat
KI wird im Agenturalltag fast ausschließlich solo genutzt. Upskill dreht das um – es lebt von der Reibung zwischen Perspektiven.
× Kein Compliance-Pflichtmodul
Ethische Reflexion lässt sich nicht in Schulungen verankern. Upskill schafft Raum für echte Auseinandersetzung, nicht für Wissensvermittlung von oben.
07 — Die Lösung
Kernmoment
UPskill lässt sich an bestehende Formate koppeln, einbetten und skalieren
Das Framework lässt sich an bestehende KI-Compliance-Schulungen und Software-Trainings koppeln – und ergänzt, was dort fehlt. Es fügt sich in Projekt-Kick-offs, Workshop-Blöcke und Austauschformate ein, ohne neue Strukturen zu fordern.
Was Upskill ermöglicht
Die 3 Spielphasen
01
Challenge
Perspektiven einnehmen, Annahmen hinterfragen.
Was nehmen wir für selbstverständlich – und was, wenn wir falsch liegen?
02
Imagine
Wünschenswerte Zukünfte entwerfen, Szenarien denken.
Wie könnte es aussehen, wenn es gut läuft?
03
Shape
Transfer: Ideen in konkrete nächste Schritte übersetzen.
Was ändert sich ab morgen?
Die 8 Rollenkarten
Hover zum Aufdecken
Community Library
Der Content-Pool wächst aus der Organisation selbst heraus.
Teilnehmende können eigene Themenkarten generieren – die KI baut aus freier Texteingabe einen Titel, ein Spannungsfeld und einen Conversation Starter.
08 — Prozess
| Problem | Lösung |
|---|---|
| Unklar, was einen hier erwartet | Onboarding mit Spielziel, Ablauf und Rollenlogik |
| Keine Hinweise darauf, aus der eigenen Rolle heraus zu argumentieren | Expliziter Hinweis zu Beginn jeder Runde |
| Wann ist das Spiel zu Ende? | Definiertes Ende + KI-generierte Abschluss-Zusammenfassung |
| Zu viele Einstellungen während des Spiels | Personalisierung vor Spielbeginn, als Default speicherbar |
| Zeithorizont-Regler wirkte verwirrend | Dramaturgie übernimmt das – kein manueller Regler mehr |
| Kein Orientierungspunkt im Spielverlauf | Timeline-Balken mit Phasen-Indikator, farblich kodiert |
Ein Onboarding, das in direkten Austausch leitet und ein Abschluss, das im Alltag hängen bleibt.
Das Design von Upskill ist reduziert und warm. Weiche Farbverläufe in Violett, Apricot und Creme, abgerundete Formen, großzügige Weißräume. Das Kartenprinzip und lineare Illustrationen greifen die Logik analoger Spiele auf. Ziel: Komplexität reduzieren, Teilnahme einladen.
10 — Service Blueprint
Der Service Blueprint zeigt, wo KI greift, wo der Mensch übernimmt und wo der physische Raum den digitalen Impuls verankert.
11 — Erfolgsmessung
Direkte Metriken · Nutzungsverhalten
Wie viele Personen starten ein Spiel? Wie aktiv engagieren sie sich? Kehren sie zurück? Diese Werte zeigen, ob Upskill in den Agenturalltag integriert wird – oder ob es beim Ausprobieren bleibt.
Qualitativ
Sprechen Teams nach einer Upskill-Runde anders über KI-Projekte? Stellen Designer:innen beim Kunden Fragen, die sie ohne Upskill nicht gestellt hätten? Das lässt sich nicht im Dashboard ablesen – es zeigt sich in Feedbackgesprächen und veränderten Meeting-Dynamiken.
Langfristig
Trägt Upskill dazu bei, dass Agenturen ethische Fragen im Umgang mit KI aktiv in ihre Arbeit einbeziehen – nicht nur als Compliance-Aufgabe, sondern als Haltung?
12 — Learnings & Ausblick
Physisch testen, bevor digital gebaut wird. Die physischen Rollenkarten und das Whiteboard-Brett waren der stärkste Teil des Spiels – und wurden zuletzt entwickelt. Beim nächsten Mal: dort anfangen.
Den Business Case früher formulieren. „Spielzeit in der Arbeitszeit" ist eine reale Hürde in einer Agentur, die Stunden abrechnet. Die Frage, was Nicht-Handeln kostet, hätte früher ins Konzept eingebaut werden sollen.
Mehr Iterationsrunden, andere Teams. Der Test lief mit zwei Kolleg:innen aus dem Experience Design. Stärker wird das Konzept durch Spielrunden mit verschiedenen Gewerken, Hierarchieebenen, Agenturen – unter Bedingungen, in denen die Rollen-Reibung maximal ist.